Eigentlich könnte eine digitalisierte Welt eine deutlich ökologischere und gerechtere Welt sein. Doch leider wird dieses Potenzial bisher kaum ausgeschöpft.
Ganz im Gegenteil: Das Internet hat auch schon vor Corona den Flugverkehr als Emissionsschleuder überholt und die Mechanismen des Überwachungskapitalismus machen eine kleine Minderheit noch reicher, während dessen krasse Nebenwirkungen für alle immer spürbarer werden. (Falls dir dieser Absatz übertrieben vorkommt, findest du hier Lesestoff.)
Digitale Dreckschleudern sind überall
Auch wenn vor allem einige wenige Unternehmen vom Status Quo profitieren (hallo Facebook, hi Google, servus Amazon), machen die meisten Unternehmen mit und verschlechtern mit ihrem Digital-Auftritt die Welt:
Viele Websites sind digitale Dreckschleudern, die wie unförmige SUVs das Internet verstopfen und ihre Nutzerdaten scham- und gedankenlos an Überwachungskapitalisten weiterreichen.
Auch die Websites von Unternehmen und Organisationen, die sich auf der guten Seite wähnen, sind oft keinen Deut besser.
Als Beispiel schauen wir uns gemeinsam kurz den Webauftritt der Vereinten Nationen an, eine Organisation, die sich „peace, dignity und equality on a healthy planet“ verpflichtet fühlt.



Ich habe mir die UNO zufällig als Beispiel rausgegriffen. Aber ich hätte genauso gut Patagonia nehmen können. Oder viele andere auch.
Dass wir alle mit unseren digitalen Aktivitäten einen sehr realen analogen Fußabdruck hinterlassen, ist den meisten Menschen einfach nicht bewusst. Wie sollen es also Unternehmen wissen und danach handeln?
Zumal viele Unternehmen Digital-Maßnahmen auslagern und auf Dienstleister*innen vertrauen. Hier durfte ich inzwischen eine sehr sympathische Szene kennenlernen, die sich auf nachhaltige Unternehmen spezialisiert hat.
Aber selbst in dieser sympathischen Szene legen viele die eigenen analogen Maßstäbe noch nicht auf das digitale Handeln an. Die Websites sind genauso umweltverschmutzend wie alle anderen auch.
Als Beispiel bringe ich hier einen Cookie-Hinweis von der Website einer nachhaltigen Person mit. Warum wird hier ein Dark Pattern eingesetzt, um meine Zustimmung zur Datenverwertung zu ergaunern?

Ist also die ganze digitale Welt von digitalen Dreckschleudern besetzt?
Nein, eine kleine, aber wachsende Menge von Websites leistet Widerstand und respektiert die planetaren Grenzen und die Privatsphäre der Besucher.
Die Zukunft: Mehr digitale Dienste, die wir mit gutem Gefühl nutzen können
Damit in Zukunft noch mehr Unternehmen und Organisationen, denen nachhaltiges Handeln auch im Digitalen wichtig ist, die passenden Dienstleister*innen finden, baue ich hierfür ein Verzeichnis.
Die Aufnahmekriterien sind einfach:
- Man kann in einem Tweet (max 280 Zeichen) formulieren, was am eigenen Angebot nachhaltig ist.
- Die eigene Website ist keine digitale Dreckschleuder. (Mehr Infos hier)
Für den ersten Prototypen habe ich 11 Menschen angeschrieben, wovon mir 9 zugesagt haben. 8 haben mir dann tatsächlich alle geforderten Infos für den Steckbrief geschickt.

Noch ist das Verzeichnis eine simple Unterseite meiner Website. Aber es soll wachsen und auf einer eigenen Domain ein von mir unabhängiges Leben entwickeln.
Die Techgenossen haben als Partner für die Weiterentwicklung zugesagt. Das freut mich sehr. Überhaupt ein großes Dankeschön auch an Ev Henke, Das Gute Ruft, From Scratch, Think Digital Green, Aileen Barz und Sandy Dähnert für die guten Hinweise und den Enthusiasmus.
Unser Ziel ist es, im Apirl die eigenständige Website mit mehr Dienstleister*innen zu launchen.
Was du tun kannst
- Du bist interessiert an digitaler Nachhaltigkeit und an diesem Projekt: Hilf uns bei der Wahl eines guten Domain-Namens und stimme hier ab.
- Du bist selbst Dienstleister*in und möchtest gelistet werden: Schreib mir gerne. Hier findest du die Kriterien für die Aufnahme.
- Du arbeitest in einem Unternehmen und möchtest an eurem digitalen Fußabdruck arbeiten: Schau doch mal ins Verzeichnis. Vielleicht findest du ja dort die passende Unterstützung.