„Blogs sind tot!“ Das ist zumindest seit mehr als 10 Jahren regelmäßig zu lesen.
Die Vorwürfe an Blogs sind meistens die gleichen. Es würde alles fehlen, was Social Media oder modernes Marketing ausmacht: Austausch, Reichweite, Videos.
Wenn ich Unternehmen einen Blog (oder Magazin für alle, die eine Allergie gegen das Wort „Blog“ haben, weil es so nerdig klingt) als zentralen Baustein einer nachhaltigen Online Marketing Strategie empfehle, dann ernte ich viel zu häufig erst einmal Unverständnis:
Echt? Gibt es da nix Moderneres? Funktioniert das noch?O-Ton diese Woche
Weil die konkreten Beispiele immer die überzeugendste Antwort sind, schreibe ich hier auf, wie und warum dieser Blog für mich das zentrale Instrument meines Marketings ist.
Mein Blog gibt mir Klarheit und hilft bei der Positionierung
Ein Blogbeitrag zwingt mich durch die damit verbundene Öffentlichkeit, Gedanken zu Ende zu denken und sie allgemeinverständlich niederzuschreiben.
Meine Wandlung vom „Wald und Wiesen“-Online Marketeer zum Verfechter eines nachhaltigen Online Marketing Ansatzes hat auf diesem Blog seinen Ausgang genommen:
- Mein erster Blogbeitrag, der sich gegen gängige Online Marketing Praktiken richtete, war Analytics ohne Cookie-Hinweis: So wird Datenschutz zum Wettbewerbsvorteil. Die vielen positiven Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass es Interesse an Online Marketing abseits der ausgetretenen Pfade gibt.
- Wie eine Alternative zum konventionellen Online Marketing konkret ausschaut und warum diese nötig ist, habe ich zum ersten Mal im Blogbeitrag Nachhaltiges Online Marketing: Besser für die Welt und viele Unternehmen formuliert.
Während ich das für andere Menschen formuliert habe, wurde mir selbst viel klar. Erst mit dieser Klarheit war ich in der Lage, eine Angebotsseite zu gestalten. Die ersten fünf Jahre meiner Selbstständigkeit musste ich ohne explizit formuliertes Angebot auskommen.
Meine Blogbeiträge starten Gespräche und enden in Aufträgen
Die Kommentarspalten unter meinen Blogbeiträgen sind nur im Ausnahmefall prall gefüllt. Trotzdem sind meine hier niedergeschriebenen Gedanken sehr häufig der Ausgangspunkt, um mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen.
Diese Gespräche finden halt selten in meiner Kommentarspalte statt, sondern auf Facebook, Twitter, LinkedIn und vor allem in privaten Chats und Telefonaten.
Hier mal drei Ausschnitte von Reaktionen auf drei unterschiedliche Artikel:



Mit den Personen, die sich hier gemeldet haben, habe ich zusammengearbeitet (beziehungsweise bin ich beauftragt, das zu tun).
Mein Blog verschafft mir Sichtbarkeit
Neben den direkten Reaktionen auf meine Beiträge merke ich auch, dass sich nach der Veröffentlichung von Artikeln bei mir die Anfragen häufen – ohne, dass auf meinen Blog Bezug genommen wird.
So merke ich, dass mir mein Blog Sichtbarkeit verschafft und mich bei relevanten Leuten ins Gedächtnis ruft.
Das Tolle bei einem Blog ist, dass sich diese Sichtbarkeit mit der Zeit mehr und mehr von neu veröffentlichten Beiträgen entkoppelt.
Ein Blick in Koko Analytics zeigt mir für letzte Woche die folgenden Statistiken:

Insgesamt hatte ich letzte Woche 402 Seitenaufrufe – obwohl ich nichts Neues veröffentlicht habe.
Falls du zu denen gehörst, die 402 Seitenaufrufe pro Woche für eine unterirdische Reichweite halten: Ich habe pro Jahr meistens zwischen 10 und 20 Auftraggeber. 17 Mal wurde in einer Woche mein Angebot angeschaut. Diese Reichweite reicht mir also locker.
Auf meinem Blog bestimme ich die Regeln
Die Besucher meiner Website sind natürlich schon allein deswegen wertvoll für mich, weil sie sich voll meinen Beiträgen widmen können und nicht von anderen Posts in einem Feed abgelenkt werden. Abgesehen davon findet der Besuch auch zu meinen Bedingungen statt.
So werden die Daten meiner Blogleser geschützt und nicht dazu verwendet, Werbeprofile zu bilden. Nicht umsonst gibt es die Bewegung der Facebook-Free Businesses. Diese Unternehmen haben sich aktiv gegen die Nutzung von Facebook (und Instagram und WhatsApp) entschieden, um mit den verwerflichen Praktiken dieses Unternehmens nichts zu tun zu haben.
Noch wichtiger ist mir allerdings, dass ich Eigentümer dieses Blogs bin.
Auf den Social Media Plattformen bin ich bestenfalls so etwas wie ein schlecht geschützter Mieter. Auch wenn ich nicht glaube, dass ich dort einfach rausgeschmissen werde wie so manch prominente Persönlichkeit, werden die Bedingungen doch sehr dynamisch geändert.
Man frage nur die vielen Facebook-Seitenbetreiber, die über Nacht mal eben 25% ihrer Reichweite eingebüßt haben, weil der Algorithmus angepasst wurde. Oder die Medium-Publikationen, die die Plattform verlassen mussten, weil Medium sein Geschäftsmodell geändert hatte.
Das passiert, wenn man nicht Herr (oder Frau) im eigenen Haus ist.
Fazit: Darum ist mein Blog das wichtigste Instrument meines Marketings
Nochmal zusammengefasst: Mein Blog hilft mir dabei, Klarheit mir selbst gegenüber zu entwickeln und eine Haltung zu finden. Das ist die Grundlage für eine gute Postionierung nach außen.
Außerdem werden über meine Beiträge relevante Leute auf mich aufmerksam. Daraus entwickeln sich Aufträge und spannende Kontakte. Da ich der Eigentümer meines Blogs bin, kann mir das auch niemand nehmen.
Dass ich mit diesen Erfahrungen nicht alleine bin, zeigt die von Meike Leopold angestoßene Blogparade. Dort trudeln täglich mehr Artikel ein, die das Bloggen feiern. Ähnliche Punkte wie ich macht da zum Beispiel die Unternehmensbloggerin Carola Heine von Lexoffice.
Vielen Dank an Meike Leopold für das Initiieren der Blogparade Das Blog — ein Medium von gestern?, die auch der Anlass war, diesen mir schon lange im Kopf herumschwirrenden Beitrag endlich niederzuschreiben!