6 Jahre nach dem Launch unserer Blogbox-App: Was bleibt von einer Gründung?

Vor genau 6 Jahren, am 19.09.2013, war die Blogbox-App endlich im App Store verfügbar. Auf diesen Moment hatten wir fünf Macher – Samy Ateia, Bernhard Hering, Kadir Kara, Marco Eisenack und ich – mehr als ein Jahr hingearbeitet.
Mit der Blogbox wollten wir alle guten Blogs Deutschlands in einer schicken Magazin-App versammeln und so Bloglesen in den Mainstream bringen.
Heute gibt es das Unternehmen Blogbox nach wie vor. Und uns glücklicherweise auch. Aber insgesamt sind wir mit diesem Projekt wo anders gelandet, als dort, wo wir uns vor sechs Jahren hinprojeziert hatten.
Blogbox entwickelt und vertreibt Software, um für Unternehmen relevante Inhalte zu sammeln und weiterzuverbreiten, sei es in einem Newsletter, auf Social Media oder in einer App. Vom damaligen Team ist auch nur noch Bernhard aktiv mit der Blogbox betraut.
Meinen Werdegang hat die damalige Gründerzeit sehr geprägt. Beruflich wäre ich ohne Blogbox wahrscheinlich an einem anderen Ort.
Mich interessiert, was meine Mitstreiter von damals von dieser doch sehr intensiven Episode mitgenommen haben und was sie für sich gelernt haben. Und selbst versuche ich das auch nochmal zu reflektieren.
Bernhard Hering
Mit Bernhard habe ich diese Unternehmung damals aus unserer gemeinsamen WG heraus gestartet. Als Entwickler hatte er schon einige Apps in die App Stores gebracht und gemeinsam wollten wir jetzt etwas Größeres aufbauen: Bernhard als Informatiker und ich als BWLer (oder so etwas ähnliches). So sind wir am Anfang auf Tour gegangen.
Bernhard war dann Leiter unseres Entwicklerteams, Produkt- und Geschäftsvisionär, mit mir Geschäftsführer und sogar gelegentlich Vertriebsunterstützung.

Bernhards Learnings:
Unternehmerisches Denken:
Mir war vor unserer Gründung überhaupt nicht klar, wie Wirtschaft funktioniert. Ich habe gelernt, was Märkte sind und wie diese funktionieren, wie Preise entstehen und vor allem, was verkaufen bedeutet. Dieser Crashkurs „BWL“ hilft mir enorm, im Beruflichen und auch im Privaten.
Teamkultur:
Ein Team besteht aus Individuen. Jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Um langfristig gut und auch angenehm im Team zusammen zu arbeiten, braucht ein Team auch Zeit außerhalb der eigentlichen Aufgabe. Glücklicherweise bekamen wir dazu im Rahmen unserer Förderprogramme viele Denkanstöße.
Eigene Arbeitsweise:
Während der Gründungsphase hatte ich die Möglichkeit, viele verschiedene Rollen in der Arbeitswelt kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass es mir mehr Spaß macht, viele Stunden an Problemen und deren Lösung in Ruhe zu arbeiten, als in tagelangen Meetings zu sitzen.
Bernhard hat Anfang 2018 die Blogbox komplett übernommen und sie mit seiner Softwareagentur zusammengelegt. Die Blogbox-Produkte werden dadurch gut weitergepflegt und an zusätzliche Kunden verkauft.
Samy Ateia
Samy und Bernhard hatten gemeinsam studiert. Wir hatten Samy damals auf unsere Unternehmung angesprochen, weil er sich mit der automatischen Kategorisierung von Inhalten sehr intensiv auseinandergesetzt hatte und wir dieses Problem für unsere App-Idee lösen mussten.
Er war das Herz und Hirn unserer Forschungsbemühungen in dem Bereich und der Grund, warum wir damals für die uns finanzierende staatliche EXIST-Förderung überhaupt in Frage kamen. Außerdem hat er natürlich alle anfallenden Developer- und Techniker-Aufgaben erledigt und war unser IT-Security-Gewissen.

Samys Learnings:
In der Anfangszeit von Blogbox war für mich sehr spannend zu sehen, wie sehr das Thema und das Problem, mit dem wir uns beschäftigt haben, uns interessant gemacht haben und wir auch als Berufsanfänger mit wenig Erfahrung mit allen auf Augenhöhe gesprochen haben.
Am Ende habe ich für mich gelernt, dass der Erfolg nicht nur von der eigenen Arbeit abhängt, sondern auch sehr von äußeren Umständen. Wir können unsere Ziele auch alle verfehlen, wenn wir mit 120% arbeiten. Es liegt nicht nur an uns.
Mitgenommen aus der Zeit als Gründer habe ich die Fähigkeit das Ganze zu sehen und auch Verantwortung für das Gesamtprojekt zu übernehmen. Nachdem ich bei Blogbox nicht mehr aktiv mitgearbeitet habe, war ich erstmal zwei Jahre angestellt. Da hat mir genau dies gefehlt: Eine realistische Möglichkeit, auf das große Ganze einzuwirken. Deswegen bin ich jetzt wieder selbstständig.
Samy ist seit Anfang 2019 selbstständiger Softwareentwickler.
Kadir Kara
Kadir haben wir kennengelernt, weil er ursprünglich eine personalisierte Nachrichtenapp als Thema seiner Bachelorarbeit designen wollte.
Er hat unsere Blogbox-App davor bewahrt wie alle anderen Apps 2013 auszuschauen, und das in einem guten Sinne. Auch danach hat er unsere Produkte gestalterisch auf ein anderes Niveau gehoben.

Kadirs Learnings:
1. Man braucht keine großen Teams um ein gutes Produkt zu entwickeln. Es reichen 4 oder 5 Menschen, die die Energie haben.
2. Wie wichtig es ist, Ideen zu kommunizieren, von Designer zu Entwickler, natürlich auch andersherum.
3. Es ist egal ob man in einem durchdesignten Bürokomplex sitzt oder in einem sehr kleinen Raum, fast schon eine Abstellkammer – nur die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, müssen passen. Das gilt für mich heute genauso. Wenn es menschlich nicht passt, wird es nichts.
Kadir arbeitet als selbstständiger Kommunikationsdesigner und erweitert aktuell seine Fähigkeiten mit dem Master »Integrated Design« an der Köln International School of Design.
Marco Eisenack
Marco haben wir kennengelernt, als wir seinen München-Blog mucbook als Partner für die Blogbox gewinnen wollten. mucbook dient auch als Schaufenster für alle München-Blogs und ist somit ein naher Verwandter der Blogbox-Idee. Da wir uns auch persönlich sympathisch waren, ist er schnurstracks ins Team gerutscht.
Marco hat uns bei der Ansprache der Blogger den entscheidenden und dringend benötigten Schritt nach vorne gebracht. Außerdem war er der Kopf hinter den kreativen Texten, die unsere App auch ausgezeichnet haben. Zudem war er als erfahrener Gründer, Social-Media-Veteran und Geschäftsmann eine wichtiges Element in unserem Team voller Berufsanfänger.

Es gibt ja den schönen Satz, Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern der Weg dorthin. Mit dem Satz kann man die Erfahrungen bei dem Projekt Blogbox eigentlich ganz gut zusammenfassen. Nach dem Projekt Blogbox war jeder von uns Gründern in seiner beruflichen – und sicher auch persönlichen – Entwicklung ein paar Stufen weiter gekommen.
Für mein Unternehmer-Dasein waren die Erfahrungen mit Blogbox ein wichtiger Wegweiser für künftige Projekte. Hätte ich nicht erlebt, wie – relativ erfolglos – alles probiert wurde, eine App mit organischer Reichweite zu einer intensiv genutzten Plattform zu machen, ich hätte die Gesetze der App-Nutzungen längst nicht so gut durchdrungen. Überhaupt konnten wir unbezahlbares Wissen und einen großen Erfahrungsschatz sammeln, hinsichtlich der Zukunftsmärkte digitaler Medien.
Hätte ich nicht miterlebt, welche Nachteile ein nationaler – oder gar internationaler – Markt mit sich bringen, hinsichtlich Sichtbarkeit und Zielgruppenansprache, ich würde noch immer jeden Tag darüber nachsinnen, ob der hyperlokale Ansatz von MUCBOOK wirklich der richtige für mich ist.
Nicht unerwähnt darf mal lassen, dass die Zusammenarbeit mit dem Blogbox-Team an sich, das Startup-Abenteuer Wert gewesen ist. Agiles Projektmanagement, SMARTE-Ziele, die stetige Suche nach Automatisierungsprozessen und wöchentliches Yoga im Büro – die Konsequenz, mit der das Team hier vorgegangen ist, war für mich als Journalist der alten Schule eine völlig neue Erfahrung.
Marco hat mucbook inzwischen zu einem dreidimensionalen Stadtmagazin ausgebaut. Seine Agentur textbau ist in den letzten Jahren auch nochmal deutlich gewachsen. In meinem allerersten Beitrag auf diesem Blog habe ich ihn zu dieser Expansion befragt.
Moritz Orendt
Als Geschäftsführer unserer kleinen Firma war ich für eigentlich alles bis auf die technische Produktentwicklung zuständig: Geschäftsentwicklung, Finanzen, Marketing und Vertrieb.

Meine Learnings:
Zuerst einmal ist mein inhaltlicher Wissenssprung ganz erheblich gewesen. Das meiste, was ich über das Internet und seine Möglichkeit weiß, habe ich als „Blogboxer“ gelernt und erfahren. Damit verdiene ich immerhin heute meinen Lebensunterhalt.
Außerdem habe ich gemerkt, wie wichtig finanzielle Sicherheit ist, und wie viel Kraft es einem raubt, wenn von dem nächsten Auftrag die eigene Gehaltszahlung und die der Mitarbeiter hängt. Dieser unmittelbare finanzielle Druck hat uns Aufträge eingebrockt, die uns viel Ärger eingebracht haben und unsere Kunden auch nicht glücklich gemacht haben.
Was mich auch sehr inspiriert hat, ist die bunte Welt der Blogger. Dort gibt es eine solche Vielzahl von Arbeits- und Lebensmodellen, dass eine klassische Festanstellung schon fast eine Ausnahme ist. In unserer Firma hatten wir hier auch verschiedene Modelle ausprobiert: Von Anwesenheitspflicht um spätestens 8:30 Uhr ins Büro hin zu kompletter Eigenarbeit mit einmal wöchentlichem Checkup-Call haben wir alles ausprobiert. Es gibt nicht nur einen „way of work“ oder „way of life“.
Fazit
Es war eine schöne Zeit. Reich sind wir nicht geworden. Besonders schlimm ist das auch nicht.