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Datenschutz

Warum sich Google Analytics nicht datenschutzkonform einsetzen lässt

Beim Flanieren durchs Internet zeigen die überall aufpoppenden Cookie-Hinweise, dass Google Analytics auch in Deutschland große Verwendung findet.

Wahrscheinlich unterscheidet sich die deutsche Verbreitung dieses Tools kaum von der globalen: Google Analytics hat einen Marktanteil von 85%.

Dabei gibt es in Deutschland keine Möglichkeit, das Tracking-Tool von Google datenschutzkonform einzusetzen.

Diese Einschätzung habe ich nicht von einem radikalen Nerd abgeschrieben, sondern von der Datenschutzexpertin eines großen deutschen Konzerns, für den ich dieses Jahr gearbeitet habe. Dort wurde Google Analytics daraufhin von allen Websites entfernt.

Die Schritte (wie anonimizeIP, Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google, etc.), die gemeinhin in dem Bestreben unternommen werden, den Einsatz von Google Analytics mit deutschem Recht in Einklang zu bringen, reichen laut dieser Datenschutzexpertin nicht.

Ihre Argumentation ist aus meiner Sicht sehr schlüssig und basiert auf zwei Punkten:

1. Nutzer sind gar nicht fähig, in Tracking durch Google Analytics einwilligen

Eine Einwilligung setzt eine informierte Entscheidung voraus. Dazu muss ich als Website-Betreiber dem Nutzer darlegen, was mit den erhobenen Daten passiert.

Das ist aber nicht möglich, weil ich als Website-Betreiber keine Ahnung habe, was Google genau mit den Daten macht. Google räumt sich als Anbieter mittlerweile das Recht ein, die Daten zu eigenen Zwecken zu verwenden.

2. Es ist unmöglich, die Datenschutz-Zusagen von Google zu überprüfen

Google verdient seine Milliarden damit, möglicht zielgenau Anzeigen an die richtigen Menschen auszuliefern. Deswegen ist es im Interesse von Google, so viele Daten wie möglich zu sammeln.

Dementsprechend lang ist die Liste der Datenschutzverstöße des Techkonzerns. Die Antwort des ehemaligen Google-CEOs auf Privatsphäre-Fragen im Dezember 2009 fasst das Datenschutzverständnis der Firma wohl immer noch am besten zusammen:

If you have something that you don’t want anyone to know, maybe you shouldn’t be doing it in the first place.

Eric Schmidt, damaliger Google CEO

Wenn ich als Website-Betreiber meine Nutzerdaten jemanden ausliefere, in dessen Interesse es ist, diese so umfassend wie möglich auszuwerten und in der Vergangenheit seine Skrupellosigkeit diesbezüglich oft bewiesen hat:

Ist es dann gerechtfertigt, naiv oder fahrlässig, auf die Zusagen von Google bezüglich des Datenschutzes von Google Analytics zu vertrauen?

Insbesondere hinsichtlich der folgenden Zusicherungen von Google ist es ratsam, skeptisch zu bleiben und die eigene Integrität nicht zu riskieren:

  • Falls jemand seine Einwilligung in das Tracking widerrruft, habe ich als Website-Betreiber keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob Google die gespeicherten Daten wirklich löscht. Ich schreibe es gerne noch einmal: Eigentlich ist es im Interesse von Google, so viele Daten wie möglich über jede Person zu speichern.
  • Die Anonymisierung der Nutzerdaten will Google gewährleisten, in dem die letzten Ziffern der IP-Adresse auf 0 gesetzt werden. Aber durch die Verknüpfung mit den Daten anderer Google-Dienste, sei es Google Chrome oder das Android-Betriebssystem, wäre es Google ein Leichtes, die eigentlich anonymisierten Nutzungsdaten wieder Nutzerprofilen zuzuordnen.

Noch keine Bußgelder für den Einsatz von Google Analytics

Ich kenne bisher keinen Fall, in dem der Einsatz von Google Analytics mit einem Bußgeld belegt wurde, wenn die üblichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden: Tracking nur nach Einwilligung, Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google, IP-Anonymisierung, Hinweis in der Datenschutzerklärung und Bereitstellung einer Möglichkeit, die Einwilligung zu widerrufen.

Aber für mich ist die dargelegte Argumentation schlüssig und ich hoffe, dass sich dieser mehr und mehr Datenschutzbehörden anschließen.

Google selbst versucht ja mit der Entwicklung von Google Analytics 4, Datenschutz-Bedenken zu adressieren. Aber gegen den Haupteinwand gegen Google Analytics kann der Techkonzern nichts machen:

Google Analytics ist von Google, einer Firma, deren Geschäft auf dem skrupellosen Anhäufen von Daten und deren Verwertung basiert. Was genau mit den Daten innerhalb von Google passiert, ist eine Black Box und von niemandem zu überprüfen.

Die Alternativen zu Google Analytics sind da

Ich stelle oft fest, dass Google Analytics nicht aus Überzeugung, sondern aus Unwissenheit eingesetzt wird. Viele kennen einfach keine Alternativen.

Deswegen möchte ich hier abschließend drei Kandidaten vorstellen, die ich selbst bei unterschiedlichen Projekten nutze:

  1. Matomo: Das ehemals unter dem Namen Piwik bekannte Analysetool ähnelt in seinem Funktionsumfang Google Analytis. Der große Vorteil: Matomo ist open source und nicht von Google oder einem anderen amerikanischen Tech-Konzern. Außerdem kann es jeder selbst hosten oder von Matomo in Deutschland hosten lassen. Zur Website von Matomo
  2. Plausible Analytics: Plausible ist eine schnelles, leichtes und datenschutzfreundliches Analysetool mit deutlich reduzierten Funktionen, die aber für die meisten Websites ausreichen. Auch Plausible ist open source und kann selbst gehostet oder als Cloud-Lösung auf deutschen Servern bereitgestellt werden. Zur Website von Plausible
  3. Koko Analytics: Koko ist ein kostenloses open source-Plugin für WordPress, dass die Zugriffszahlen und Besucherquellen für die eigene Website aufbereitet. Für meine eigene Website brauche ich keine tiefergehenden Analysen. Zur Website von Koko Analytics

Wer sich genauer zu den Vorteilen von datenschutzfreundlichen Webanalyse-Tools informieren möchte, dem empfehle ich den meistgelesenen Beitrag auf diesem Blog.

Die Benutzeroberfläche von Google Analytics 4 unterscheidet sich ziemlich von der aktuellen Version. Wenn du also demnächst sowieso ein neues Tool zur Webanalyse lernen muss, warum dann kein datenschutzfreundliches?

Disclaimer: Ich bin kein Anwalt und versuche deswegen in diesem Beitrag nur, mein Verständnis der Argumentation einer Datenschutzexpertin in eigenen Worten widerzugeben. Wer Beratung zu den rechtlichen Konsequenzen des Einsatzes von Google Analytics sucht, möge sich bitte an einen spezialisierten Anwalt wenden.

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