Interview mit Marco Eisenack: Es entsteht ein neues Medienhaus in München

Auf meinem Blog unterhalte ich mich mit Unternehmern über ihre Geschäftsmodelle, ihre Herausforderungen und ihre Zukunftspläne. Durch diese Gespräche möchte ich unternehmerisches Wissen sammeln.

Marco Eisenack Portrait
Marco Eisenack

Mein erstes Interview führe ich mit Marco Eisenack. Marco habe ich vor mehr als vier Jahren kennengelernt. Damals haben wir zusammen die Blogger-App Blogbox  gegründet. Nachdem Blogbox sich zum Software-Anbieter entwickelt hatte, haben sich unsere Wege wieder getrennt. Ich verfolge aber weiterhin mit Interesse, was er in den letzten Jahren aufgebaut hat.

Mit der klassischen PR-Agentur textbau unterstützt Marco Projekte im Bereich Stadtentwicklung und Kultur, die er selber interessant findet. Darüber hinaus hat er mit dem Medienhaus München einen klassischen Verlag entwickelt, der alle Mediengattungen bespielt: Von Print-Magazinen, die es am Kiosk zu kaufen gibt, über kostenlose Print-Magazine zu digitalen Medien. Und daran angehängt haben sich viele Projekte ergeben, die ein Journalist früher nicht gemacht hätte, die sich aber heute für einen Medienunternehmer wie Marco anbieten. Das sind vor allem Veranstaltungen: zum Beispiel den Blogger-Award als jährliches Event oder der Blogger-Market als Messe-Kongress für Influencer und Blogger.

MUCBOOK ist das bekannteste Projekt deines Medienhauses. Magst du mal beschreiben, wie das Geschäftsmodell von mucbook ausschaut?

MUCBOOK entstand, wie alle richtig guten Dinge, nur aus Lust und Leidenschaft und erstmal ohne Geschäftsmodell. Wir wollten die guten Blogs, die es in dieser Stadt gibt, sichtbar machen und auf einer Seite versammeln. Darum nannten wir das Projekt MUCBOOK – nach dem Motto “viele Seiten dieser Stadt”. Das wurde dann so beliebt, dass wir immer mehr eigene Artikel beigesteuert haben. Einige Blogger haben ihre eigenen Blogs dann sogar eingestellt und auf unserer Seite weitergeschrieben. 2009 war die Gründung.

Nach etwa drei Jahren stellten wir fest, dass wir immer mehr Redaktionsdienste benötigen, die wir auch bezahlen, und dass wir uns deshalb mal überlegen müssten, wie wir mit MUCBOOK Geld verdienen. Von Anfang an hatten wir uns gegen Banner-Werbung entschieden, weil es für ein lokales Medium hinsichtlich der Reichweiten und der Tausender-Kontakt-Preise keinerlei Relevanz besitzt. Affiliate-Links sind genauso wenig geeignet für lokale Medien.

Deswegen haben wir von Anfang an auf Content Marketing gesetzt. Wir haben unseren Kunden angeboten, dass wir ihre Blogs bei uns mit ausspielen. Was wir für unsere Blogger kostenlos angeboten haben, konnten jetzt auch Institutionen nutzen. Einen Blog im Blog – nur eben kostenpflichtig. Das Modell war so erfolgreich, weil es jeder sofort verstanden hat. Es ist so ausgerichtet, dass die Kunden dauerhaft bei uns bleiben, was auch zu dem lokalen Netwerk-Ansatz von MUCBOOK passt. Wir wollen nicht jede Woche neue Banner akquirieren. Lieber bauen wir mit den Bestandskunden gemeinsam etwas auf. Dadurch pflegen wir eine Beziehung zu den Kunden, wie sie bei globalen Online-Medien überhaupt nicht denkbar ist.

2013 gab es dann einen entscheidenden Moment. Der Milchstrassen-Verlag, der den “Prinz” herausgab, hat die Printversion von Prinz – das Stadtmagazin eingestellt. Das war das letzte verbliebene Stadtmagazin, das es in München am Kiosk gab. Das war der Moment als wir beschlossen haben: Wir machen das jetzt und bringen ein Magazin heraus. Seitdem gibt es MUCBOOK zweimal im Jahr als Print-Magazin am Kiosk. Jeweils als Schwerpunkt-Heft, das sich um ein Münchner Thema dreht. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema Design in München.

Was bringt euch das Print-Magazin für euer Online-Produkt?

Wie hebt man sich in der Masse von Online-Produkten ab? Allein in München könnte man als Online-Medienmacher schnell mal die Krise bekommen, wenn man sieht, dass jede Woche ein neuer Blog online geht. Und viele machen spannende Inhalte und jeder hat eine iPhone-Kamera und kann tolle Fotos machen.

Da hilft es enorm, wenn man auch offline Präsenz hat. Wir sehen auch, dass 15% bis 20% der täglichen Aufrufe direkt auf mucboook.de gehen. Da sind, glaube ich, viele darunter, die das Heft irgendwo sehen. Wir benutzen das Heft also auch als Marketing-Instrument, um den Online-Kanal zu bewerben. Darum haben wir aus sogenannten Hotspots ein Netzwerk gebaut: Vertriebsstellen, die das MUCBOOK-Heft verkaufen. Das sind nicht nur Kioske, sondern auch Designläden, Klamottenlabels und coole Cafes, die das Magazin dort stehen haben.

Die Vision ist, dass wir dieses Netzwerk als sich gegenseitig stärkendes Netzwerk und als Business-Kanal aufbauen. Wir möchten auch die Unternehmer, die in München coole Läden und coole Labels gründen oder schon besitzen, untereinander besser vernetzen, stärken und ihre Sichtbarkeit erhöhen.

Du hast mir erzählt, dass oft die Idee an dich herangetragen wird, das MUCBOOK-Konzept in andere Städte zu transportieren. Du zweifelst aber an, dass dies funktionieren würde. Warum?

Weil ich sehe, dass so ein Magazin so viel intensive Betreuung vor Ort braucht, so viele persönliche Kontakte, dass Franchisesysteme nur sehr schwer zu realisieren sind. Vor allem nicht mit den Themen, die ich eigentlich spannend finde.

Was vielleicht funktioniert, ist ein Blog-Modell, das sich auf Ausgehtipps spezialisiert und mit Events oder Kunden aus der Spirituosenbranche deutschlandweit Anzeigenkunden betreut. Aber wir sehen unser Geschäftsmodell eher bei interessanten lokalen Partnern, mit denen man größere, langfristige Projekte macht.

Dadurch, dass wir hier eine Mischung haben, dass wir alles kennen, und hier die Kontakte haben, sind wir für unsere Partner schwierig zu ersetzen. Dieses Modell ist so aufwändig, dass es als Franchise-Modell schwer vorstellbar ist.

Wenn du nochmal starten würdest, was hättest du anders gemacht?

Beim Gründen hat man wenig Geld und macht erstmal alles selber. Dabei fängt man an, Dinge zu tun, die man gar nicht so gut kann. Man braucht doppelt so lang, aber dafür kostet es „nur“ die eigene Arbeitszeit – denkt man sich. Aber das ist nicht ganz richtig. Wie heißt es so schön: Du kannst alles vermehren und nachholen, aber Zeit eben nicht.

Darum würde ich früher versuchen, für spezielle Bereiche Experten und Mitarbeiter ins Boot zu holen. Wir haben inzwischen insgesamt 26 Mitarbeiter. Im letzten Jahr haben wir unser Team enorm verstärkt. Engagierte Praktikanten haben wir als Werkstudenten behalten, mehr Autoren für Tagesdienste eingestellt und Redakteursstellen haben wir zu Festanstellungen umgewandelt, auch um Sicherheit zu haben. Wenn wichtige Mitarbeiter wegbrechen ist es, gerade in unserem Bereich, wo so viel internes Wissen mit dabei ist, desaströs. Wir achten sehr darauf, dass die Mitarbeiter alle happy sind. Wir sind an einem Punkt, wo wir unser Team monatlich ausbauen.

Wie motivierst du deine Mitarbeiter?

Bei uns haben alle eine hohe Eigenverantwortung in ihren Prozessen und dürfen, da wir einen relativ breiten Aufgabenbereich haben, in ihrem Bereich den Hut aufhaben. Das ist das Motivierende – wenn sie genau wissen, was sie zu tun haben: was genau ist das Ziel, wie und bis wann können wir es erreichen und was brauchst du dafür. Wenn das feststeht und der Rahmen gebildet ist, dann sollen sie gerne einfach losrennen, machen und Freude an der Arbeit haben.

Wie schaut dann dein Tag normalerweise aus? Gibt es einen Durchschnittstag?

Ich bin ein großer Fan von Routinen geworden. Weil ich glaube, dass jede Angewohnheit es erleichtert, stressige Zeiten auszuhalten. Mein Tag läuft jetzt so ab, dass ich morgens um 8 Uhr kurz die Emails und die üblichen Portale checke. Danach beginne ich mit meiner Morgenmail, einer Rund-Mail an das ganze Team, damit alle wissen, was andere aus dem Team an dem Tag tun. Um neun Uhr beginnt dann die Morgenrunde, in der wir die To-Dos des Tages besprechen. Danach bin ich die meiste Zeit mit Einzelgesprächen und konkreten Themen beschäftigt, die jeden Tag anders aussehen. Dabei ist für mich die wichtigste Maßgabe, dass ich den ganzen Tag über in Evernote notiere, was vereinbart wurde und dies am Abend in Tools übertrage, um die entsprechenden Termine zu setzen und To-Dos anzulegen.

Durch diese simple Struktur ist es gelungen, dass wir im vergangenen Jahr so wachsen konnten. Bevor ich diese Rituale hatte, dachte ich, jetzt drehe ich bald völlig durch, weil man dann irgendwie überhaupt nicht mehr weiß: was man mit wem vereinbart hat und was da der nächste Schritt ist und wer an welchen Dingen sitzt. Diese einfache Lösung mit Evernote, kombiniert mit Basecamp für die To-Dos, funktioniert wunderbar.

Übrigens ist das Wichtigste, was ich 2017 geändert habe: Ich habe alle Push-Nachrichten auf meinem Handy abgestellt. Also von WhatsApp bis Email kommt nichts mehr von selber. Das kann man machen, wenn das Team groß genug ist und man weiß, es ist ja immer jemand erreichbar, der sich kümmern kann.

Wodurch seid ihr denn dieses Jahr so gewachsen?

Ich habe bei den Zahlen der Website-Klicks von MUCBOOK kürzlich eine interessante Sache festgestellt: Wir haben in den letzten vier Jahren unsere Klicks jedes Jahr fast immer exakt verdoppelt. Bei dem Online-Umsatz kann man das ähnlich sehen. Die Agenturen haben ihre Jahresetats 2016 so geplant, dass sie 2017 genug Geld für Online-Kooperationen hatten. Wir haben unseren Online-Umsatz dadurch auch verdoppelt.

Wichtig ist auch, dass wir jetzt zwei Personen im Team haben, die sich nur um neue Vertriebsstellen für das MUCBOOK Print kümmern, die Abonnenten betreuen, usw… und dadurch haben wir natürlich wieder viel mehr Verkäufe.

Das gleiche gilt für das Thema MEMBER-CLUB.  Wir haben eine Feel-Good-Managerin, die sich um das neu geschaffene Member-Paket kümmert. Für 50.- Euro im Jahr können unsere Leser Mitglied werden. Durch dieses Paket haben Member Zugriff auf exklusive Veranstaltungen.

Was ist MUCBOOK und das Medienhaus München in 5 und 10 Jahren?

Boah, großartig. Wichtig, wir starten jetzt im Jahr 2018 eine Kooperation mit der Abendzeitung. Ab sofort wird jedes MUCBOOK bei Erscheinungstermin mit einer kostenlosen Leseprobe der Abendzeitung beigelegt, womit wir endlich  Kreise erreichen, die nicht auf Facebook sind und die nicht in den kleinen Läden unterwegs sind, wo wir bisher verkauft werden.  Zugleich gibt es online bei der Abendzeitung eine feste Rubrik, den MUCBOOK-Tipp des Tages, der direkt zu uns verlinkt. Durch diese Kooperation werden wir enorm Reichweite gewinnen, die wir dann so einsetzen möchten, dass wir nochmal mehr Content produzieren, um die ganzen Ideen umzusetzen, die wir mit online und offline Events haben.

So wird in 5 Jahren schon einmal klar sein, dass MUCBOOK  überall aufploppt und jeder Münchner MUCBOOK kennt, als sichere Quelle für nützliche und spannende Information. Das gleiche passiert mit den Themen Slow Down [Stadtführer und Blog für achtsames und nachhaltiges Leben in München] und Grün & Gloria [alternatives Stadtportal für München]. Es geht also in den nächsten fünf Jahren nochmal darum, die Markenbekanntheit dieser drei Portale zu stärken. Und in zehn Jahren werden so viele weitere Nischenprodukte in München entstanden sein, dass wir für den Münchner Markt das wichtigste Medienhaus sind. (lacht)

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